
Liebe Betriebsrätin,
lieber Betriebsrat,
fast hätte ich geschrieben: „Homeoffice – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie diese Studie.“ Das kam mir dann doch etwas albern vor. Ganz falsch aber ist das nicht. Denn:
Homeoffice ist längst kein Ausnahmezustand mehr. Es ist Normalität. Und trotzdem wird darüber diskutiert, als würde sich erst jetzt entscheiden, ob Beschäftigte „wirklich arbeiten“, wenn niemand zuguckt.
Doch nun gibt es eine aktuelle Auswertung mit Leistungsdaten von rund 11.000 Beschäftigten eines großen deutschen Unternehmens. Und die beweisen: Im Homeoffice steigt der messbare Output – im Schnitt um etwa 20 Prozent. Weniger Unterbrechungen, mehr Ruhe, mehr Konzentration.
Doch Achtung!Die Auswertung zeigt auch, dass das nicht unbegrenzt gilt. Denn Produktivität ist nicht nur „Anzahl erledigter Vorgänge“, sie lebt auch von Dingen, die sich schwer zählen lassen: spontaner Austausch, kurze Abstimmungen, das beiläufige Lernen voneinander, Vertrauen im Team.
Genau da kippt irgendwann das Gleichgewicht – wenn Präsenz zur Ausnahme wird und Teams sich kaum noch sehen. Dann sinkt nicht zwingend die Leistung von heute, aber oft die Tragfähigkeit von morgen: Motivation, Wissenstransfer, Bindung.
Besonders spannend an den Daten ist deshalb nicht das „Homeoffice ist besser“-Signal, sondern der Befund zur Mischung:
Am besten läuft es, wenn sich Homeoffice und Präsenz sinnvoll ergänzen – etwa 60 Prozent remote, 40 Prozent vor Ort. Und noch wichtiger: Präsenz bringt nur dann etwas, wenn sie koordiniert stattfindet. Einzelne Mitarbeitende im Büro, während das Team verteilt bleibt, erzeugen vor allem Wegezeiten und Frust – aber kaum Zusammenarbeit.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht „Homeoffice – ja oder nein?“, sondern: „Welcher Mix passt zu Aufgaben, Team und Betrieb – und wie organisieren wir ihn so, dass er dauerhaft funktioniert?“. Ich finde, darüber muss man sprechen.
Genau wie über den Tipp der Woche: